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Ein Vernatsch mit Tiefe – wild, kühl und eindrucksvoll anders
Mit dem Campill 2018 zeigt Martin Gojer vom Weingut Pranzegg, wie viel Charakter in der alten Südtiroler Rebsorte Vernatsch (Trollinger) stecken kann – wenn man sie lässt. Die Trauben stammen aus sehr steilem, kargem Gelände, gewachsen unter der Pergel auf lehmigem Sand vulkanischen Ursprungs, durchzogen von Porphyr, Basalt und Granit. Ein echtes Gesteinsmosaik, das sich im Glas wiederfindet – puristisch, klar und kraftvoll im Ausdruck.
Der Ausbau folgt konsequent der biodynamischen Philosophie: Handlese, spontane Vergärung mit rund 80 % Ganztrauben, kein Eingriff in die Temperatur, lange Mazeration. Reifung für insgesamt 22 Monate in großen Holz- und Betongefäßen, ungeschönt, unfiltriert und mit händischer Füllung.
Im Glas zeigt sich ein gedecktes Granatrot mit violetten Aufhellungen. Die Nase ist tiefgründig und eigenständig: Baumrinde, Zigarrenrauch, Kaminholz und Rote Bete setzen die ersten Akzente, bevor Schlehe, dunkles Pflaumenmus und Maulbeeren auftauchen – flankiert von Rosmarin, Thymian und mineralischer Kühle.
Am Gaumen bleibt der Campill überraschend leichtfüßig: feines Tannin, lebendige Säure, kühle Frucht – dabei enorm trinkig. Die Frucht zeigt sich nun heller, rotbeerig, fast burgundisch in der Stilistik, stets getragen von einer salzigen Mineralik. Mit nur 12 % Vol. Alkohol eignet sich dieser Vernatsch wunderbar zum leicht gekühlten Genuss, gerne zu herzhaften Speisen, Wildgeflügel oder gereiftem Käse.
Ein Bergwein mit Seele – weit entfernt vom Klischee des einfachen Vernatsch, dafür voller Haltung, Spannung und Eleganz. Ein leiser, aber eindrucksvoller Naturwein, der lange nachklingt.
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